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RESEARCH PRODUCT
Die implizite Sprachauffassung in ausgewählten Werken Hölderlins.
Pablo Mendoza Caspsubject
80noneFacultat de Filologiadescription
Worin besteht die Sprachauffassung Hölderlins? Diese Frage ist nicht neu. Auch liegenschon lange zahlreiche Antworten vor. Neu an der vorliegenden Arbeit ist aber, dasshier die Antwort nicht in den theoretischen Arbeiten Hölderlins über Poetologie bzw.Philosophie gesucht wird, wo man sie vernünftigerweise zuerst vermuten würde, denndas hat man auch schon zur Genüge gemacht, sondern hier wird sie in Hölderlins literarischerPraxis gesucht, in der manchmal unbewussten und manchmal bewussten Anwendungder Ausdrücke, die etwas mit dem Begriff 'Sprache' zu tun haben. Dementsprechendmuss die vorige Frage - d.h. die zentrale Frage, welche die vorliegende Arbeitleitet - eingeschränkt und umformuliert werden: Welche Bausteine der hölderlinischenIdeologie zum Thema 'Sprache' können in seinen literarischen Texten aufgespürtwerden?Im Schnittpunkt von Literatur und Linguistik wird versucht, anhand einer eingehendenKorpusanalyse den Begriff 'Sprache' bei Hölderlin zu untersuchen. Der Begriff wirdnicht im Sinne der strukturalistischen semantischen Wortfelder erforscht - das wäre einelinguistische Perspektive -, sondern eher aus einer literaturwissenschaftlichkognitivistischenPerspektive, auf der Suche nach der transzendentalen Wichtigkeit des Sprechensund Schweigens bei Hölderlin, d.h. auf der Suche nach der Rolle der Sprachebeim Aufbau seiner begrifflichen Weltanschauung, die besonders bei Hölderlin eine wesentlicheGrundlage der Thematik und der rhetorischen Mittel seiner literarischen Textedarstellt. Die philosophische Seite dieses Punktes wird dabei außer Acht gelassen, denndie vorliegende Arbeit beschränkt sich zunächst auf die praktische Auslegung konkreterTexte und dann auf die Klassifizierung der daraus gewonnenen Ergebnisse. Daraufhinwerden Schlussfolgerungen gezogen, die etwas mehr Licht auf die literarischen Motiveder Texte Hölderlins werfen und das Endergebnis der vorliegenden Arbeit darstellenwerden.Zusammenfassend kann man die vorliegende Arbeit durch folgende Merkmale charakterisieren:● wissenschaftliche Grundlegung: Die bei der Analyse berücksichtigten literaturwissenschaftlichenund linguistischen Theorien werden zunächst erläutert und problematisiert.● methodologische Strenge: Die Kontextualisierung wird strikt von der eigentlichen Analysegetrennt. Die Einführung in das für das Verständnis nötige Hintergrundwissen gehörtnicht in dasselbe Kapitel wie die Korpusanalyse. Auf diese Weise lässt sich eine wenigerarbiträre Auslegung der Texte erzielen.● Analyse der in den Texten impliziten Bedeutungen: Die Texte dürfen diesmal sozusagenselbst zu Wort kommen. Im Englischen wird dieser Vorgang close reading genannt.● linguistisch gestützte literaturwissenschaftliche Untersuchung: u.a. spielen die Theorieder Prototypen und die der Präsuppositionen eine wichtige Rolle bei der Analyse.● Fokussierung auf die Sprachauffassung: Alle anderen Themen, Beziehungen und Wechselwirkungenwerden wo möglich beiseite gelassen.Keine dieser Eigenschaften ist an sich neu, wie weiter unten ausgeführt wird. Neuartig ist aber,dass sie alle zugleich auf ein und dieselbe Studie angewandt werden. Das Ergebnis ist ebenfallsneuartig: Aus den Texten gehen bestimmte Vorstellungen hervor, die von einer Analyse herrühren,die mit linguistischer Gründlichkeit durchgeführt wurde. Die analysierten Textstellen werdennach den aus ihnen selbst gewonnenen Vorstellungen sortiert. Dann werden die verschiedenenVorstellungen systematisch nach ihrer eigenen Beschaffenheit angeordnet, so dass eine begrifflicheKonstellation, eine Sprachideologie ersichtlich wird, die als ein reines Destillat aus denliterarischen Werken Hölderlins ohne Interferenzen durch textäußere Faktoren betrachtet werdendarf und somit aus einer neuen Perspektive Aufschluss über die schon vielfach untersuchteSprachauffassung Hölderlins gibt.
| year | journal | country | edition | language |
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| 2008-05-08 |