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Abkehr von Schönheit und Ideal in der Liebeslyrik Francisco de Quevedos

Eberhard Geisler

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Quevedo ist zunachst ein Dichter, der sich in der Nachfolge des hohen Liebesdiskurses versteht. Mit seiner Anthologie Canta sola a Lisi knupft er an die hofische Liebeslyrik an, er beherrscht die petrarkistischen Muster und besitzt in seiner Bibliothek nicht nur die Liebestraktate von Marsilio Ficino, Pietro Bembo, Baldassare Castiglione, Leon Hebreo und Flaminio Nobili,1 sondern verfast auch einige Sonette in neoplatonischer Pragung. Zugleich ist er der Dichter der Desillusion. Damaso Alonso hat in seinem bekannten Aufsatz „Der Einbruch des Affektiven in der Dichtung Quevedos“ gerade im Zynismus, Sarkasmus und Pessimismus das eigentliche Wesen seiner Literatur erblickt und diese Desillusion als sowohl barocken wie auch modernen Zug dieses Dichters apostrophiert.2 Alonso nimmt bei ihm „Eine Art Nihilismus [wahr], der dazu fuhrt, alle erhabenen Schonheiten des Lebens auf eine niedrigere Ebene zu ziehen.“3 Im folgenden seien vier Gedichte vorgestellt, die diese Abkehr von der Welt der Ideale auf dem Feld des Liebesdiskurses in unterschiedlicher Deutlichkeit zum Ausdruck bringen.

https://doi.org/10.1007/978-3-476-02695-8_14