6533b839fe1ef96bd12a58b7

RESEARCH PRODUCT

Ideal und Anpassung

Heide Von Felden

subject

description

In diesem Beitrag steht die Interpretation eines narrativen Interviews zum Thema „Rezeption von Appellen des Lebenslangen Lernens“ im Mittelpunkt. In diesem Fall geht es darum, dass das eigene Leben unter dem Masstab einer ausschlieslich positiv verstandenen Bedeutung des Lebenslangen Lernens geschildert wird. Die Funktion dieser Schilderung liegt zum einen darin, gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen und nicht dem Bild einer Person in prekaren Verhaltnissen zu entsprechen und zum anderen, sich in der Situation der Erzahlzeit, die durch Einsamkeit, Trauer und Trennungsschmerz gepragt ist, eine Haltung zu bewahren, die das Ertragen dieser Situation ermoglicht. Als Antwort auf den Neoliberalismus, der an Konkurrenz und Eigenverantwortlichkeit appelliert und dabei auch Angste vor Exklusion schurt, zeigt diese Rezeption der Appelle des Lebenslangen Lernens die Haltung, sich den gesellschaftlichen Masstaben anzupassen, selbst wenn das eigene Leben diesen Masstaben nicht entspricht. Ambivalent ist diese Rezeption einerseits durch die Diskrepanz von Schilderung und immer wieder durchscheinenden anderen realen Bedingungen und andererseits durch die Verbindung von Anpassung, Eigen-Deutung und (vorsichtiger) Kritik.

https://doi.org/10.1007/978-3-658-28107-6_7