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RESEARCH PRODUCT

Zur Funktion der Exkretionsorgane von Helix pomatia L. und Archachatina ventricosa Gould

Günther Vorwohl

subject

GynecologyBehavioral Neurosciencemedicine.medical_specialtyPhysiologyChemistrymedicineAnimal Science and ZoologyEcology Evolution Behavior and Systematics

description

1. Mit Hilfe feiner Kanulen wurden die Exkretionsprodukte der verschiedenen Abschnitte der Exkretionsorgane abgeleitet. Neben der seit langem bekannten Ausscheidung „festen Harns“ wird von den untersuchten Species auch wasrig flussiger Harn ausgeschieden. Der Harn (Primarharn) wird in der Nierenkammer gebildet und kann an der inneren Nierenoffnung in relativ grosen Mengen abgeleitet werden. Bei H. pomatia wird maximal ein Minutenvolumen von 8 mm3, bei A. ventricosa 2 mm3 pro Gramm Lebendgewicht erreicht. Bei der Weinbergschnecke geht die Primarharnproduktion auch wahrend der Trockenruhe in verringertem Masstab weiter; in der Winterruhe wird sie sehr stark eingeschrankt. 2. Der Primarharn beider Species ist mit der Hamolymphe isotonisch oder leicht hypotonisch bis zu einer Differenz von 18% des Δ-Werts der Hamolymphe. Der pH-Wert des Primarharns zeigt nur geringfugige Abweichungen vom pH-Wert der Hamolymphe. Der Primarharn ist eiweisfrei. Die Eigenschaften des Primarharns erlauben die Annahme, das die Harnbildung durch Ultrafiltration der Hamolymphe durch die Nephrocytenepithelien der Nierenkammer zustande kommt. 3. Das Perikard ist im Gegensatz zu den Verhaltnissen bei Lymnaea (Basommatophora) an der Harnbildung nicht oder nur in geringem Umfang beteiligt. Auch im Ureter findet, entgegen den Vermutungen alterer Autoren, keine Ausscheidung wasriger Exkrete statt. 4. Der Ureter erweist sich als ein Regulationsorgan, das in den Wasser- und Mineralhaushalt eingreift. Durch Ruckresorption von Salzen wird der Harn im Ureter ausgepragt hypotonisch gegenuber der Hamolymphe. Die Δ-Werte des Harns aus dem distalen sekundaren Ureter sind gegenuber den Δ-Werten der Hamolymphe bis zu 79% verringert. Mit Hilfe einer Versuchsanordnung, die die Durchspulung des Ureters mit Ringerlosungen gestattet, wurde festgestellt, das im Ureter Wasser resorbiert wird. Der pH-Wert der Ringerlosung steigt durch den Kontakt mit den Ureterepithelien an. 5. Sowohl H. pomatia als auch A. ventricosa geben nur bei ausreichender Wasserversorgung flussigen Harn nach ausen ab. Bei Wassermangel wird der in der Nierenkammer ausgeschiedene Primarharn im Ureter vollstandig resorbiert. 6. Mit Hilfe der colorimetrischen Mesmethoden von Roughton u. Booth und Brinkmann wurde die Aktivitat der Kohlensaureanhydratase (KA) in den Extrakten der Exkretionsorgane von H. pomatia und A. ventricosa gemessen. Der primare Ureter ist das KA-reichste Organ der Schnecke. Pericard und Nierenkammer zeigen nur minimale KA-Aktivitat. Der sekundare Ureter erreicht die Halfte bis ein Drittel der Aktivitat des primaren Ureters. Die Aktivitat des primaren Ureters schwankt in weiten Grenzen, nicht vollig regellos, sondern in Beziehung zu den Jahreszeiten. Die Funktion der KA im Ureter wird diskutiert. 7. Abschliesend werden (Abb. 7) die Exkretions- bzw. Resorptions-Vorgange in Pericard, Nierenkammer und Ureter in einer schematischen Ubersicht zusammengestellt. Die Ergebnisse der Arbeit werden in vergleichend-physiologischer Sicht interpretiert.

https://doi.org/10.1007/bf00297755