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RESEARCH PRODUCT
Die dynamische Expansion
Werner Janzariksubject
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Gemessen an den Wahnbildungen der Depressiven sind vergleichbare Inhalte bei cyclothym Manischen so ungewohnlich, das die Analyse der dynamischen Konstellation in cyclothymen Manien weniger der Erlauterung manischer Wahnbildungen als einer negativen Aufgabe dienen kann: begreiflich zu machen, warum der cyclothym manische Wahn umstritten ist und dort, wo er behauptet wird, auch jeweils der Einwand nahe liegt, es handele sich um einen zwar manischen, jedoch schizophren manischen Wahn. Zeh, als einer der wenigen Autoren, die in neuerer Zeit wirklich Eigenes zur Psychopathologie der Manie zu sagen wusten, hat auf die „Schwachen des klinischen Maniebegriffes“ hingewiesen und seinerseits die Grenze der cyclothymen Manie sehr weit gezogen, was ihm die Moglichkeit gab, nicht nur eine ganze Reihe manischer Syndrome, sondern auch die verschiedensten, weitgehend von der Ausgangspersonlichkeit und ihrem Erfahrungsbereich gepragten Gestaltungen manischen Wahns zu beschreiben. Ober Gultigkeit oder Ungultigkeit der nosologischen Abgrenzung last sich hier am allerwenigsten streiten. Man tut gut daran, die Autoren ohne Widerspruch ihre nosologischen Oberzeugungen verfechten zu lassen und sich im ubrigen an das zu halten, was sie, gultig auch fur den nosologischen Skeptiker, an psychopathologischen Einsichten zu bieten haben. Wenn wir selbst im klinischen Gebrauch, unverbindlich fur andere, mit K. Schneider den Begriff der cyclothymen Manie eng fassen und, anders als Zeh, z. B. die nicht allzu seltenen „Altersmanien“ kaum je den cyclothymen Psychosen zuordnen, so hindert uns das nicht, gerade in diesem Zusammenhang die von Kleist und Leonhard „zwischen“ den beiden Formenkreisen beschriebenen psychopathologischen Typen besonders nutzlich zu finden und die psychopathologischen Bemuhungen von Zeh zu begrusen. Psychopathologisch gesehen, halten wir es mit Zeh in der Tat fur geboten, sich nicht auf die klassische Form der „heiteren“ Manie zu beschranken, sondern gleichberechtigt neben den Anomalien der Stimmung auch solche des Antriebs zu berucksichtigen, was die Gegenuberstellung von Depression und Manie als zwei fundamentalen psychopathologischen Einheiten weit besser aufgehen last, als die einseitige Betonung der manischen Heiterkeit. Nur im Quantitativen, nicht im Qualitativen sieht Zeh die Unterschiede zwischen der Psychopathologie cyclothymer Depressionen und Manien, verlangt aber doch wohl zu viel, wenn er die Entsprechungen sogar in den Wahnthemen sucht und davon spricht, das auch die manischen Psychosen, wenngleich mit „umgekehrten Vorzeichen“, im Sinne von K. Schneider das Dasein aufdeckten. Wenn etwas Richtiges an der u. a. auch von Weitbrecht beanstandeten Meinung sein sollte, die Manie sei das positive Umkehrbild der Depression, dann gilt diese Meinung gewis nicht fur die psychopathologischen Einzelheiten, sondern allein fur das fundierende dynamische Geschehen. In der Polaritat der dynamischen Storung liegt die Rechtfertigung fur die im Rahmen der Einheitspsychose angewandte Unterscheidung von Depression und Exaltation. Wir berucksichtigen die Polaritat des dynamischen Geschehens, indem wir der Reduktion die dynamische Expansion gegenuberstellen und damit die psychologische Grundlage jener Befindlichkeit kennzeichnen, die von L. Binswanger als „springende Daseinsweise“, von E. Straus als „prasentische Bewegung“ dargestellt worden ist.
year | journal | country | edition | language |
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1959-01-01 |