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RESEARCH PRODUCT

Zytogenetische Veränderungen durch Methylphenidat?

Bernd KainaMartin HoltmannFritz Poustka

subject

GynecologyPsychiatry and Mental healthClinical Psychologymedicine.medical_specialtybusiness.industryPediatrics Perinatology and Child HealthmedicineGeneral Medicinebusiness

description

Zusammenfassung: Fragestellung: Wegen des Verdachts, dass Methylphenidat (MPH) zytogenetische Veränderungen beim Menschen induzieren könnte, wird der Einsatz dieser Substanz kontrovers debattiert. Die Diskussion wurde ausgelöst durch eine Studie von El-Zein et al. (2005) , die bei zwölf Kindern nach dreimonatiger Behandlung mit MPH eine signifikante Häufung chromosomaler Aberrationen, Schwesterchromatiden-Austausche und Kleinkerne fanden. Methodik: Die vorliegende Arbeit diskutiert die Untersuchung von El-Zein et al. unter Berücksichtigung gegenwärtig geltender zytogenetischer Standards und ordnet sie ein in den Zusammenhang bisheriger Studien zur Mutagenität, Klastogenität und Kanzerogenität von MPH. Ergebnisse: Die Aussagekraft der El-Zein-Studie ist wegen methodischer Mängel begrenzt. Tierexperimentelle Befunde zur Mutagenität und Klastogenität von MPH sind uneinheitlich. MPH hatte bei Bakterien und Säugetierzellen keine mutagenen Effekte, verfügte aber über das Potential, in Säugetierzellen zu DNS-Brüchen zu führen. Während bei Ratten die Inzidenz von Neoplasien unter MPH nicht erhöht war, wurden bei Mäusen vermehrt Leber-Neoplasien beobachtet. In einer epidemiologischen Studie fanden sich nach MPH-Behandlung beim Menschen weniger Krebserkrankungen als erwartet. Schlussfolgerungen: Angesichts der widersprüchlichen Befunde tierexperimenteller Daten ist der Mangel an toxikologischen Langzeitdaten zu MPH beim Menschen beunruhigend. Zwar sollten nicht vorschnell Schlüsse hinsichtlich einer mutagenen Gefährdung durch MPH gezogen werden; der durch El-Zein et al. aufgeworfene Verdacht erfordert aber eine fundierte Klärung.

https://doi.org/10.1024/1422-4917.34.3.215