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Versuch einer strukturdynamischen Interpretation

Werner Janzarik

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Ein durch die Ergebnisse der neueren Psychopathologie vorgezeichneter Versuch, nach der additiven Beschreibung einen inneren Zusammenhang unter den mitgeteilten Befunden herzustellen, mus sich der Ungunst des Materials anpassen. Was sich aus jahrzehntealten Krankengeschichten zusammentragen last, ist nicht mehr der geschlossene Zusammenhang schizophrener Lebensauserung, sondern sind Ausschnitte und Bruchstucke, die hier interpolierend und dort verdichtend und vereinfachend zusammengesehen werden mussen, wenn Gesamtverlaufe und in ihnen das Prinzip einer gedachten uberindividuellen Verlaufsgestalt sichtbar werden sollen. Die Ausgangsbasis fur die angestrebte strukturdynamische Interpretation ist damit bereits erheblich verkurzt. Vor allem gegenuber den Anforderungen, die eine sozialpsychiatrische Betrachtungsweise stellen muste, erscheinen die verfugbaren Daten denaturiert. Die zu Anfang vielfach noch nachweisbaren Beziehungen zwischen den psychotischen Auserungen und der Lage des Kranken im mitmenschlichen Spannungsfeld sind jenseits der initialen Stadien in der Regel unkenntlich geworden. In den Protokollen, die die Befunde bei spateren Wiederaufnahmen festhalten und routinemasig den Verlauf wahrend des Anstaltsaufenthaltes begleiten, sind die Phanomene [i. S. der von Hofer und von Tellenbach (1956) durchgefuhrten Unterscheidung] zu regellos erscheinenden Symptomen geworden, die wie selbstverstandlich auf einen Krankheitsprozes, und nur auf einen Krankheitsprozes, verweisen.

https://doi.org/10.1007/978-3-642-88137-4_5